Programm – Abstracts

Die Notwendigkeit der Unterscheidung zwischen Interface-Terminologien und Referenzterminologien
Stefan Schulz, Universität Graz

Referenzterminologien wie SNOMED CT oder Domänenontologien wie die Gene Ontology stoßen bei Anwendern oft auf Vorbehalte, da ihr Terminventar stark vom tatsächlichen Sprachgebrauch abweicht. Dies fällt insbesondere bei Text-Mining-Anwendungen ins Gewicht, wenn beispielsweise die Wörter “Lungenkrebs” oder “Bronchial-Ca” in klinischen Texten nicht erkannt werden, da die Terminologie nur “künstliche” Vorzugsterme wie “Bösartige Neubildung der Bronchien und der Lunge” bereitstellt. Gerade bei der Lokalisierung von primär englischsprachigen Referenzterminologien wie SNOMED CT ist dieser Aspekt oft vernachlässigt worden.

Das EU-Projekt ASSESS-CT hat die Praxistauglichkeit von SNOMED CT gegenüber anderen Terminologie-Szenarien untersucht. Eine daraus abgeleitete Empfehlung war die, statt zeit-und kostenintensiver Übersetzungsprojekte vielmehr in den Aufbau sprachspezifischer Interface-Terminologien zu investieren. Deren Terminventar sollte den tatsächlichen Sprachgebrauch widerspiegeln und auf die passenden Kodes der Referenzterminologien gemappt werden, ohne jedoch den Anspruch auf eine präzise Übersetzung zu erheben. Für die Erstellung und Pflege solcher Interfaceterminologien bieten sich Crowdsourcing-Ansätze an. Unbedingt beachtet werden muss die Ambiguität und Kontextabhängigkeit vieler Interface-Terme.

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